Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen, wie Fernseher, Computer, Spielekonsole und Smartphone. Falsche Bildschirmgewohnheiten haben Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern, insbesondere in Form von Schlafproblemen, Übergewicht und Leistungsfähigkeit in der Schule und Ausbildung. Es ist Aufgabe der Eltern, die Zeit vor und die Inhalte in den Bildschirmen
altersentsprechend zu begrenzen. Die Arbeitsgruppe Schlafmedizin und Schlafforschung der österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde hat dafür folgende Empfehlungen erarbeitet.
1. Kinder unter zwei Jahren sollten keine Zeit vor Bildschirmen verbringen. Begründung: Kinder unter zwei Jahren haben noch keine Möglichkeit, zwischen realem Leben und fiktiver Bildschirmwelt zu unterscheiden. In ihrem Lernverhalten sind sie darauf angewiesen, Dinge im wahrsten Sinne des Wortes zu “begreifen”.   Bisher konnte kein positiver Effekt durch “Lernprogramme” bei Kindern nachgewiesen werden. Allerdings hat man Zusammenhänge zwischen Fernsehkonsum im Alter unter zwei Jahren und Schwierigkeiten im Bereich der Sprachentwicklung, späteren Aufmerksamkeitsschwierigkeiten in der Schule und Verhaltensauffälligkeiten nachweisen können. “Umgebungsfernsehen”, also Erwachsenenprogramme die im Hintergrund laufen, können auf die Entwicklung, speziell das Sozialverhalten von kleinen Kindern, negative Auswirkungen haben.
2. Kinder über zwei Jahren bis ins Vorschulalter sollten höchstens 30 Minuten pro Tag fernsehen. Diese Zeitspanne kann für ältere Kinder
schrittweise erhöht werden. Im Jugenalter sollten 2 Stunden pro Tagnicht überschritten werden. Zahlreiche Studien konnten nachweisen dass zu lange Bildschirmzeiten mit Schlafproblemen, Übergewicht und schlechteren Schulabschlüssen einhergehen.
3. Kinderzimmer sollten “bildschirmfreie Zone” bleiben. Kinder, die über einen Fernseher, PC oder Handy im Schlafzimmer verfügen, verbringen deutlich mehr Zeit vor dem Bildschirm als Kinder ohne Fernseher etc. . Dadurch bedingt brauchen sie länger zum Einschlafen und schlafen dadurch insgesamt kürzer. Schlafstörungen, wie Albträume, Nachtschreck oder Müdigkeit nach dem Aufwachen treten gehäuft auf.
4. Kinder sollten nur altersgerechte Inhalte sehen bzw. Spiele spielen. Die Darstellung von Gewalt sollte ausnahmslos vermieden werden, da es durch den Konsum von gewalttätigen Inhalten zu Störungen im Sozialverhalten im Schulalter kommt. Wiederholte gewalttätige Inhalte lösen bei Kindern gewalttätige Gedanken und gewalttätiges Verhalten aus.
5. Lassen Sie Ihr Kind vor dem Bildschirm nicht allein. Interessieren Sie sich für die Inhalte, mit denen Ihre Kinder sich beschäftigen. Kinder, die vor dem Fernseher alleingelassen werden, haben häufiger Sprachentwicklungsverzögerungen als solche, die mit ihren Eltern dabei kommunizieren können.
6. Bildschirme sind weder als Babysitter noch als Sprachen- oder Sprechlehrer geeignet. Im Gegenteil: Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung beginnen früher fernzusehen und schauen durchschnittlich länger am Tag fern.
7. Die Zeit vor dem Schlafengehen, vor der Schule oder dem Kindergarten sowie die Essenszeiten sollten bildschirmfrei bleiben. Abendliches Fernsehen verlängert die Einschlafzeit und verkürzt die Gesamtschlafdauer. Sowohl vermehrtes Fernsehen als auch Essen vor dem Bildschirm begünstigen ungesündere Ernährungsformen wie geringere Zufuhr von Obst und Gemüse sowie vermehrten Verzehr von starke gezuckerten und salzigen Speisen.
8. Lesen Sie Ihren Kindern oft vor und spielen Sie mit ihnen altersentsprechende Gesellschaftsspiele. Damit schaffen Sie bessere Voraussetzungen für das Lernverhalten Ihrer Kinder und somit für das spätere Bildungsniveau. Zwischen dem Vorlesen in der Familie sowie der Entwicklung von Kindern und deren Sozialverhalten besteht ein enger Zusammenhang.
Quelle: Monatsschrift Kinderheilkunde 2017. Konsensuspapier der Arbeitsgruppe
Schlafmedizin und Schlafforschung der österreichischen Gesellschaft für Kinder- und
Jugendheilkunde.